Ein Tag mit den Schneemachern vom Aberg

Meine erste Frage an Ing. Siegfried Egger, Prokurist der Aberg-Hinterthal-Bergbahnen AG war eigentlich eine Blöde, wo es doch gar keine blöden Fragen geben soll. Ich wollte wissen, wann der Tag eines “Schneemachers” im Skigebiet Hochkönig beginnt und wann dieser endet. Wie sich herausstellte, existiert auf diese Frage keine Antwort. “Rock around the clock” könnte man sagen, wenn im Spätherbst die Temperaturen fallen und der Berg bereit ist, beschneit zu werden, hört die Arbeit am Aberg niemals auf.

Ich bin unterwegs mit Siegfried und Jakob, einem der Schneemacher am Aberg. Die beiden Männer sind sehr geduldig und beantworten mir alle meine Fragen - und ich habe eine Menge davon. Die “Kunst” des Schneemachens ist eine echt Spannende. Es ist November 2017 und dieses Jahr scheinen die Wettergötter selbst schon ihre Ski gewaxelt zu haben, denn die Region Hochkönig überzieht eine erste Schicht Naturschnee, begleitet von tiefen Temperaturen - somit das Motto: “Feuer frei” am Aberg.

Zu warmes Wasser und widerspenstige Lärchen-Nadeln

Mit Skidoo und Pistenbully sind wir unterwegs bis ganz nach oben. Alles ist tief-winterlich und verschneit - ein erster Trugschluss? Siegfried klärt mich auf: Viele Leute sehen um diese Zeit im Internet den Schnee und die weißen Hänge und denken: es kann losgehen. Kann es punktuell vielleicht auch, aber die Natur ist noch nicht soweit, den Winter voll zu starten. Der Boden ist noch zu warm, das Wasser in den Speicherteichen ist nicht kalt genug, was für die Schneeproduktion um diese Jahreszeit eine große Herausforderung darstellt. Ausserdem sind die Nadeln der Lärchen noch auf den Bäumen und eine alte Bauernregel besagt, dass der Winter erst dann seine ganze kalte Kraft entfacht, wenn diese zu Boden gefallen sind. 



Technische Wunderwerke und viel Know-How

Unsere Reise ins Nervenzentrum der Schneemacher könnte interessanter nicht sein. Es ist unglaublich, welche Logistik, Technik und Wissen dahinterstecken. Die Tage bzw. Nächte am Aberg enden nie, zumindest für jene zwei Schneemacher, die zugleich im Dienst sind. Ja genau, ich war auch überrascht. Nur zwei Männer sind gleichzeitig für den gesamten Berg zuständig. Sie überwachen den Betrieb der Schneekanonen am PC, checken die Leitungen im Pumphaus und sind am Berg unterwegs, um die Windrichtung zu checken. DAS ist beinah der wichtigste Faktor: Maschinenschnee macht man von oben nach unten. Die Kanonen und Lanzen stehen immer auf der höher liegenden Seite des Hanges, um den Schnee nach unten zu blasen. Wenn nun der Wind aus dieser Richtung kommt, bläst dieser den Schnee neben die Piste, was Verschwendung ist. In dem Fall wird die Maschine entweder gedreht oder vom Netz genommen, das muss man erst mal wissen!



“Piep Piep - Piep Piep” - SMS von der Schneekanone

Echt jetzt, Schneekanonen verschicken wahrhaftig SMS, und zwar wenn Sie bereit sind, den Betrieb aufzunehmen. Erst wenn die Temperatur niedrig genug ist, im richtigen Verhältnis zur Luftfeuchtigkeit steht und sich daraus eine "Feuchtkugeltemperatur" von unter 4°C ergibt, kann der beste Schnee produziert werden. In der Zentrale der Schneemacher steht ein PC mit einem vollen, aber sehr aufschlussreichen Bildschirminhalt. Darauf zu sehen ist das gesamte Gebiet des Abergs und alle in Betrieb befindlichen Kanonen und Lanzen. Alles wird ständig überwacht. Den besten Eindruck über die Arbeit der Schneekanonen erhält man aber noch immer direkt vor Ort und so ist Jakob, mein Skidoo-Pilot von heute, immer unterwegs. Er kontrolliert die Maschinen, checkt die Windrichtung und justiert die Schneekanonen im Bedarfsfall neu - ein toller, aber sicher anstrengender Job.



Im Pumphaus steigt die Temperatur

Ist auch klar - denn im Inneren des größten Pumphauses am Aberg laufen alle Pumpen auf Hochtouren. Das Wasser kommt durch dicke Rohrleitungen aus dem Speicherteich hier herein und wird von sogenannten kleineren Vorpumpen schon einmal in Bewegung gebracht. Drei riesige Hauptpumpen geben dem Wasser danach den nötigen “Drive”, damit es bis ganz nach oben auf den Gipfel des Abergs kommt, wo es die vielen Schneekanonen und Schneelanzen mit dem kalten Wasser versorgt. Sehr interessant das Ganze. Wo wie viel Maschinenschnee benötigt wird, wissen die Schneemacher natürlich aus Erfahrung. ABER nicht nur das, die Pisten-Bullies sind mit GPS-Systemen ausgestattet, welche die Dicke der Schneedecke unter der Maschine berechnen. Ist diese zu dünn, kommunizieren sie direkt mit den Schneekanonen und das System weiß, wo noch mehr Schnee produziert werden muss. Faszinierend oder?



Der Vormittag am Aberg mit Jakob und Siegfried hätte nicht interessanter sein können. Es ist sehr spannend, mal etwas tiefere Einblicke in die Arbeit der Männer im Skigebiet zu bekommen. Vor allem um diese Jahreszeit ist diese Arbeit eine sehr wichtige, denn sie legt den Grundstein für eine gute Saison und eine verlässliche Schneedecke auf den Pisten. Ich bin fasziniert von der Arbeit und vom Know-How der Männer am Aberg - ab jetzt werden ich meine Pistenkilometer sicherlich mit mehr Ehrfurcht in den Schnee zaubern!

Ich wünsche euch allen einen guten Saisonstart und viele tolle Skitage im Skigebiet Hochkönig - bis bald auf der Piste