Die Hågmoar vom Hundstoa

Das Hundstein-Ranggeln zu Jakobi hat Tradition. An diesem Sonntag ist man immer schon hinaufgegangen auf diesen mächtigen Berg zwischen Maria Alm, Taxenbach und Zell am See. Und zwar ganz egal, ob die Sonne scheint, dunkle Gewitterwolken drohen oder schwere Nebelfetzen in den Karen hängen. Denn wenn die Ranggler die Arena betreten und um den Hågmoar kämpfen, dann trifft hier auf 2.117 m Mythos auf Sport und Kultur.

 

Viele Wege führen von allen Seiten hinauf auf den Hundstein, doch der klassische Anstieg ist über Maria Alm. Wen die Beine noch tragen, der lässt es sich nicht nehmen, selbst hinaufzusteigen. Und wer den Berg nicht mehr aus eigener Kraft bezwingen kann, der lässt sich mit dem Taxi hinaufbringen - denn nicht zum Hundstoa-Ranggeln zu kommen ist keine Option. Das beweisen die rund 2000 Zuschauer. Der Hundstein hat schon eine eigene Magie: Auf der einen Seite lacht das Massiv des Hochkönigs, und ein sagenhafter Rundumblick in den Pinzgau gibt den Blick frei auf die Wanderer und Mountainbiker, die auch von Gries und Thumersbach in Karawanen hinaufpilgern zum Ranggeln. Die Bergmesse, die dem Bewerb vorangeht, ist gut besucht. Der Ranggel-Pfarrer, wie der Geistliche Klaus Laireiter aus Großarl liebevoll genannt wird, war selbst leidenschaftlicher Ranggler. Unvergessen ist, als er 1978 nach der Messe sein Messgewand ablegte und selbst in den Ring stieg, um sich in diesem Jahr sogar die Hågmoar-Fahne zu holen.

 

Kräftemessen mit Ansehen

Wie lange auf dem Kultberg Hundstein schon geranggelt wird, das weiß keiner so ganz genau. Früher trugen dort die Senner und Bauernburschen ihre Meinungsverschiedenheiten beim Ranggeln aus. So entstand wahrscheinlich auch der Name des Hundstein-Siegers, der „Hågmoar“. „Håg“, so bezeichnet man im Pinzgau die Abzäunung der Almflächen. Ein Stoahåg – also zu kleinen Mauern aufgehäufte Steine – grenzte eine Almweide von der nächsten ab. Wenn es unter den Sennern – allesamt Kraftlackeln (kräftige Burschen) – zu Streitereien kam, dann traf man sich im Sommer zum Ranggeln. Derjenige, der als Sieger aus diesem Kampf hervorging, war der „Moar“, der Meister. Und dieser Hågmoar durfte sich über Respekt und Ansehen freuen, denn der Titel, der bedeutete viel. Und daran hat sich bis heute nichts geändert, wie mir Hans Bernsteiner, Präsident des Salzburger Rangglerverands bei unserem Treffen erklärt: „Was dem Skifahrer seine Olympische Medaille, das ist dem Ranggler die Hågmoar-Fahne! Der Sieg am Hundstein ist der absolute Höhepunkt der sportlichen Ranggler-Karriere.“

 

Sport mit langer Tradition

Die Wurzeln des Ranggelns liegen im Keltisch-Ringen und William Baxter, der Präsident der „international Federation of Celtic Wrestling“ meint in Ehrenpräsident Günther Heim’s Buch „Hundstoa Ranggeln“ sogar: „Das jährliche Ranggeln am Hundstein ist meiner Meinung nach der älteste Sportbewerb in Europa, wahrscheinlich sogar einer der ältesten regelmäßigen Bewerbe weltweit.“ Diese lange Tradition ist spürbar, wenn man am letzten Sonntag im Juli, rund um Jakobi (25. Juli), als Besucher auf den Hundstein kommt. Es hat etwas Archaisches, wenn die kräftigen Burschen in ihren weißen Hosen und Hemden die natürliche Arena unterhalb des Statzerhauses betreten und es still wird im Publikum. Doch spätestens beim ersten „Aufdraha“ oder „Knupfer“ wird es laut im Kessel. Da wird angefeuert und applaudiert, wenn ein besonders spektakulärer Hebel oder Wurf gezeigt wird. Ein strenges Regelwerk begleitet die beiden Kontrahenten in ihrem sechsminütigen Kampf. „Landet einer der beiden jedoch vor Ablauf der Zeit auf seinen Schulterblättern, so ist der Kampf entschieden. Kommt es in der Zeit zu keiner Entscheidung, gehen beide Ranggler als Verlierer vom Platz. Bis 1984 gab es kein Zeitreglement – da wurde auch schon mal 45 Minuten im Schneesturm gekämpft. Es ist ein ehrliches Kräftemessen, bei dem Technik und Kraft gefordert ist“, erklärt Hans Bernsteiner der natürlich selbst Ranggler war und heute den Piesendorfer Nachwuchs trainiert. Um den Ranggel-Nachwuchs muss man sich im Pinzgau keine Sorgen machen, denn schon Vier- bis Sechsjährige kommen ins Training. Der Nachwuchs garantiert ein Weiterleben dieses Sports, der erst vor wenigen Jahren auf die Liste des „Immatriellen Kulturerbes der UNESCO“ gesetzt wurde. Eine hohe Auszeichnung, die den Ranggelsport ehrt.

 

Die Hågmoar -Fahne

Die höchste Auszeichnung der Athleten ist die Hågmoar-Fahne. Die ist untrennbar mit dem Sieg beim Hundstein-Ranggeln verbunden. Doch der Hundstein schreibt seine eigenen Gesetze, wie Hans Bernsteiner erzählt: „Hier gibt es in allen Klassen nur einen Sieger – keinen zweiten und keinen dritten Platz. Zahlreiche Ranggler aus dem ganzen Alpenraum nehmen an diesem Bewerb teil und tragen ihre Kämpfe aus, doch um den Titel des Hågmoars können nur salzburger Ranggler mitkämpfen. Der Sieger erhält die traditionelle Hågmoar-Fahne – die je nach Fahnenspender ganz unterschiedlich aussehen kann. Mal ist sie aus Leder, mal aus Seide, mal bestickt oder bemalt, mal ein Wimpel, mal eine mächtige Flagge. Der heurige Fahnenspender, Robert Rupitsch aus Goldegg, ist 89 Jahre alt und seit 70 Jahren kommt er zum Hundstoaranggeln. Auch die Kiste Bier, die der Hågmoar seinen Kontrahenten nach dem Sieg spendiert, hat Tradition. Denn die Ranggler sind vor und nach dem Kampf gute Freunde, nur am Platz sind sie Gegner.“ Und nach dem letzten Kampf wandern alle wieder ihrem Heimatort zu, denn auch die rund 100 Ranggler lassen es sich nicht nehmen, zu Fuß auf den Hundstein zu kommen. Und nach dem Hundstoa ist vor dem Hundstoa, denn auch wenn es rund 27 Ranggel-Turniere im Jahr zu bestreiten gibt – hintrainiert wird auf den einen Tag um Jakobi, wenn man sich wieder trifft, oben am Hundstein

Weitere Informationen zur Veranstaltung findet man HIER